2007/06/18

Nicaragua, das Land der unbegrenzten Armut undHilfsbereitschaft.

Nun ihr Lieben soweit weg, bin jetzt fast ein Monat weg und gerade passt es ein wenig drüber nachzudenken was ich schon gesehen hab, was ich gelernt hab und was ich noch sehen und lernen will. Sorry übrigens dass ich bisher hier nicht so fleissig war, aber war zu viel zu tun oder zu wenig zeit die mir das Internet zu Verfügung stand...

Hab noch gar nicht von meiner letzten und ersten Reise nach Las Sabanas und meine Begegnung mit der Armut erzählt: In Las Sabanas findet das Projekt statt in dem ich mitarbeite. Dort gibt es eine Comunidad – Gemeinschaft von Bauern, die in echt schwierigen Bedingungen leben. In der Projektbeschreibung steht es gebe 37,8% Analphabetismus dort, so viel kam es mir jetzt gar nicht vor, aber wir haben auch schon eher mit den Bauern geredet die aufgeschlossen waren. Um erstmal einzusteigen, wir sind dorthin gefahren mit 12 Studenten und 4Dozenten und ich habe mit 2 Mädels bei einer Familie dort gewohnt. Die Comunidad „El Castellito“ liegt etwa auf 1500ü NN sprich es ist „kalt“ (hier ist 15grad kalt;-). Es gibt kein Strom, deswegen steht man etwa um 5, halb 6 auf wenns hell wird und geht so um 9-10pm ins bett, nachdem man eine weile im kerzenlicht gesessen hat und geredet hat. Also ich muss sagen, ich fand diesen rhytmus prima, es ist irgendwie echt nah dran an dem was die natur vorgibt. Was ich allerdings schwierig fand, man kommt von den Umfragen mit den Bauern „nach Hause“ und kann nur echt schlecht noch was schreiben lesen oder die Zeit „europäisch“ ausnutzen. Man sitzt halt beienander und redet und hört radio. Klingt jetzt voll idyllisch, ist es irgendwie auch und irgendwie auch nicht. Warum nicht? Weis nicht hatte das Gefühl das die Leute garnicht soviel zu reden hatten. Ich mein worüber sollen sie reden wenn sie am Tag säen ernten und pflegen? Vielleicht waren sie aber auch einfach zu schüchtern um in unserer Gegenwart viel zu reden... Aber so eine Hilfsbereitschaft hab ich noch selten erlebt (und dieses Land ist schon ein Wunder der Hilfsbereitschaft im Vergleich zu allem was ich bisher erlebt hab – manchmal wenn ich etwas unsicher am Strassenrand stehe und auf den Bus warte (Haltestellen gibts nicht) werde ich in den nächsten gesteckt und mit meinem „Zielort versehen“ sprich der Busbelgeiter schmeist mich an der richtigen Stelle raus – wie ein kleines Kind fühl ich mich dann, aber geniess es auch irgendwie)
Nun zurück zu dem Dörflein, was mich echt erschüttert hat war eine Familie, die zumindest aus unseren Augen betrachtet echt arm dran war. 11 Kinder, vielleicht 30Cordoba (ca 1,50€) am Tag zur Verfügung und ne echt kleine Parcelle Land (vielleicht ½ Manzana = 350qm) diese schien mir nicht mal gut genutzt. Na aber das alles ok, wenn ich das Gefühl gehabt hätte irgendwie geht es doch allen gut, sie sind zufrieden weil sie Zeit füreinander haben oder viel mit der Natur, ihrer und der sie umgebenden zu tun haben oder weil sie eine wunderbare Familie sind die zusammenhält. Ich konnte das aber eher nicht sehen, ich hab die Krankheiten gesehen, die fehlenden Zähne, den Analphabetismus, und vorallem den fehlenden Willen etwas zu ändern, nicht nur den fehlenden Willen sondern auch das fehlende Bewusstsein der Möglichkeiten die es gäbe. Das ist überhaupt etwas was ich dort gedacht hab, an sich ist es nicht so schlecht dort (nun diese Familie ja hat mich echt erschüttert) aber sie haben halt einfach keine Wahl wie sie leben möchten. Ok uns macht vielleicht gerade die Wahl das Leben schwer, aber sie können halt echt nicht entscheiden. Nicht nur aus wirklich fehlenden Möglichkeiten sondern auch aus fehlendem Wissen heraus.
Hab schon gedacht das wär doch das Paradies, wenn es nicht real wäre.

Andererseits, hab das Wochenende mit einem deutschen Anarchisten dikutiert, er sagte er hätte keine Wahl, er müsste in dem System leben das die meisten gewählt hätten und was sich Demokratie und Nationalstaat nennt. Ist jetzt ein extremes Beispiel, aber gut immer die Wahl haben wir auch nicht. Aber wir haben sie auf einer anderen Ebene.
Na irgendwie hab ich das Gefühl komm ich da nciht weiter, wenn ihr ne Idee habt, Anregungen sagt mir Bescheid!.

Hab auch schon sehr schöne Sachen gesehen: Vulkane, dampfende und blubbernde Quellen, wahnsinnige Landschaften, grandiose Lagunen und einmalige Seen - davon später mehr!!!!!!!!!!!!!!!

Nun gut, das Spanische ärgert mich manchmal, ja hab schon viel gelernt, aber immer wieder denk ich uh jeh ich werd nie ordentlich reden geschweige denn verstehen können... mach immer wieder so blöde Fehler, naja irgendwann..

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